Alkoholkonsum
Alkohol stellt hierzulande neben Tabak (vgl. Kapitel 4.4 Konsum von Tabak) das Suchtproblem Nr. 1 dar. Gesteigerter und chronischer Alkoholkonsum kann zu einer Vielzahl von Gesundheitsstörungen und Krankheiten führen. Die Gefährdung ist im wesentlichen über den Alkoholmißbrauch gegeben, der über eine akute Vergiftung hinausgeht. Bei der Alkoholabhängigkeit müssen nachweisbare Symptome hinzukommen.
Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet. Alkoholtrinken in jungen Jahren führt zu Konsummustern, die sich verfestigen und neben den kurz- und mittelfristigen psychischen und sozialen Entwicklungsstörungen die weitere Lebensführung prägen können.
Mäßiger, auch regelmäßiger Alkoholkonsum muß nicht als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Übermäßiger und chronischer Alkoholkonsum hingegen birgt ein großes Gesundheitsgefährdungspotential in sich. Vielfach ist er mit der Störung oder Auflösung sozialer Bindungen verknüpft.
Motivation für den Alkoholkonsum
Alkoholkonsum ist in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens anzutreffen. Es handelt sich jedoch keinesfalls ausschließlich um ein Gruppenphänomen. Vielfach wird Alkohol auch allein getrunken, aus verschiedensten Motiven.
Jugendliche stellen z.T. ihren Mut auf die Probe: "Mal sehen, wieviel du vertragen kannst". Hierbei kann sich der einzelne nicht immer entziehen, denn als Strafe drohen ein Ansehensverlust bis hin zum Ausschluß aus der Gruppe.
Vieltrinker, die mehr als 280 g reinen Alkohol pro Woche konsumieren, nennen am häufigsten folgende Motive: "Alkohol ist eine angenehme Möglichkeit, sich zu entspannen" und "durch Alkohol kann man Ärger leichter bewältigen". Darüber hinaus werden "Alkohol hilft über Niedergeschlagenheit und Depression hinweg", "Alkohol läßt eine starke Belastung leichter ertragen", "Alkohol stärkt das Selbstvertrauen" und "Alkohol macht das Gefühl von Einsamkeit und Unverstandenheit erträglicher" angegeben.
Aus diesen Antworten wird vor allem deutlich, daß dem Alkohol die Rolle eines persönlichen Problemlösers zugeschrieben wird. Auch Trinken aus Genuß kann zu einer Gewöhnung an übermäßigen Konsum führen.
Als Maß für den Konsum hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols etabliert. Bei dieser Angabe handelt es sich um einen Durchschnittswert, der keine Rückschlüsse auf die genaue Verteilung der Trinkgewohnheiten oder des Trinkverhaltens zuläßt. Einzelne Problemgruppen lassen sich über diesen Wert nicht identifizieren. Der Pro-Kopf-Verbrauch beeinflußt jedoch besonders das Ausmaß der Folgeerkrankungen: Je höher der Pro-Kopf-Verbrauch, desto häufiger sind alkoholbedingte Erkrankungsfälle und Behandlungsanlässe.
1994 wurden in Deutschland pro Kopf 10,3 l reiner Alkohol als Bier, Spirituosen, Wein und Schaumwein verbraucht. Deutschland liegt damit hinter Luxemburg, Frankreich und Portugal auf einem der vorderen Plätze in Europa (siehe Abb. 4.5.1).