Liebes Tagebuch
Mir geht's garnicht gut. Ich bin so müde. Dabei sollte mein Tag so perfekt anfangen und perfekt enden. Ein Tag der perfekt endet ist nur der Tag, an dem ich endlich meiner Existenz ein Ende gebe. Ich habe morgen frei und noch so viel zu tun. Ich muss nach Günzburg fahren, um die ganze scheiß Bürokratie für meine Mutter zu erledigen. Nach der Arbeit bin ich nach Hause gekommen, in der Pause war ich sowieso schon auf 180°C. Ich habe mich so sehr auf meine Dusche gefreut... und wollte endlich ins Bett und in Ruhe schlafen. Nach der Dusche, war ich so müde, dass ich mich nicht in Ruhe in den Schlaf legen konnte, weil ich eingedöst bin mit schlaftrunkenen Augen und..das Licht ist an..dann klopft meine Mutter an meiner Türe, ich soll doch was essen, die hat mir Erdbeeren gebracht. Ich bin ausgerastet. Ich bin so ausgerastet. Ich habe sie angeschrien. Das ich es Leid bin, ständig von ihr gestört werde..., dass sie mir ständig den Schlaf und mir den letzten Nerv raubt. Ich habe die Türe zugeknallt und..geschriehen, dass ich es satt habe.. zu leben jeden Tag auf Neue diesen Stress diesen unnötigen Stress nicht ertragen kann. Ich bin ein sehr disziplinierter Mensch. Es regt mich auf, wenn man meinen Stundenplan durcheinander bringt und mir wie ein Stein im Weg steht. Deshalb habe ich keine festen Ziele mehr. Denn jeder Tag, nicht meine Nerven zu verlieren, ist für mich ein Kampf. Meine Ader pocht vor Schmerzen, mein Hals fühlt sich trocken und kratzig an, weil ich gebrüllt habe. Ich schreibe, weil ich nicht weiter weiss...weil ich nicht weiss, wie ich mich entlasten soll. Ich hoffe, dass es mir hilft, dieses miese Gefühl, dass mich auffrisst. Heute wollte ich in der Pause einen Termin beim Hausarzt vereinbaren, zur Blutabnahme. Er hat gesagt, dass ich für immer schmerzen haben werde, wenn ich meine Gürtelrose nicht behandeln lasse. Ich glaube, physischer Schmerz ist ein scheiß Dreck, dagegen, was ich jeden Tag psychisch durchmachen muss. Als ich dann zur Arbeit lief, fuhr der Typ in den ich seit ca 2 Jahren verknallt bin an mir vorbei. Er hat eine andere. War klar. Mit der will er sogar heiraten und ich werde nicht einmal als Mensch wahrgenommen. Auch das zieht mich runter. Aber ich bin es ja gewohnt, Sorgen zu schlucken , in Büchern zu verewigen...zu schweigen ...zu schlucken. Bei meinem letzten Wutausbruch, habe ich sogar mein heiss geliebtes Tagebuch zerstört. Es hatte ein Schloss, es war blau und in goldener Schrift stand ,, Mein Tagebuch". Auf der ersten Seite, war ein Foto von mir, ein Selfie, damals ganz üblich mit einem normalen Fotoapparat. Als das Foto nach zwei Wochen fertig war, klebte ich es auf die erste Seite unten rechts ins Eck ,,2013" da standen Sachen drin wie mein Opa gestorben ist, wie sehr ich ihn vermisse. Seit er weg ist, fühle ich mich gottlos ohne Religion verlassen. Es kommt mir komisch vor, wenn ich einem Typen erzähle, dass ich Liebeskummer habe und den Kontakt zu meiner Freundin abgebrochen habe, dass er mir schlecht geht...und er dann zu mir sagt, bete...das wird dir helfen. In dem Moment, ja ich glaube ich habe es ihm sogar gesagt, dachte ich mir: ,,Es ist die größte Strafe, als Muslima auf die Welt gekommen zu sein". Ich habe immer gebetet, jeden Tag, sogar wenn ich das Haus verlassen habe. Ich habe immer gebetet, dafür, dass alles wieder gut wird. Das Opa zu mir zurück kommt, dass Papa meine Schwester mein Bruder..zu mir zurück kommt und das meine Mama, wieder die Alte wird. Es macht mich wütend, wie fanatische islamistische religiöse Menschen, alles vereinfachen, sich für etwas Besseres halten. Ich meine sogar, dass es sich von einer Sekte, nicht unterscheidet. Aber das ist egal, hat mich nicht zu interessieren. Ich habe gebetet und gehofft immer...aber es hat mir nie etwas gebracht. In einer Meditation, hätte ich fast den Verstand verloren, weil ich da erst Zeit hatte, an Menschen zu denken, die mir das Herz gebrochen haben. Ich bin so stolz auf mich, dass ich in meinem ungewollten Leben, das so schön sein zu scheint, immer stark geblieben bin. Als Menschen zu mir unfair wurden, kehrte ich meinen Rücken zu ihnen. Ich kann es garnicht verstehen, wenn ein Mensch sagt, er könnte nicht ohne Freunde Familie und was weiss ich...so schlimm ist das gar nicht. Klar, wenn man alleine ist, ist es vllt traurig und langweilig...aber, Menschen sind grausam. Wenn dir niemand etwas antuen kann, weil du sowieso nichts mit jemanden zu tun hast, dann bist du sogar glücklicher. Es sind zurzeit Kleinigkeiten, die mich glücklich machen. Klar, wann war ich nicht bescheiden? Wann wollte ich mehr? Mein Hobby ist zurzeit Make up und Lesen ohne Musik sterbe ich. Das man ohne make up schöner ist, das ist der größte Bullshit, den ich gehört habe. Das lasse ich mir von Männern, die eh keine intellektuelle Frau abkriegen, nicht einreden. Mein Ziel war es immer 4 Kinder zu kriegen und ein Haus bauen. Jetzt ist mein Ziel Glück und Karriere. Wenn ich keine Türkin wäre, wäre mein Kleidungsstil richtig sexy. Es ist 22:34 Uhr, ich hätte schon längst schlafen können, nachdem ich rumgeschrien und mich aufgeregt habe, musste ich erstmal weinen. Jetzt kann ich nicht schlafen, weil ich kein Akku habe und somit kein Wecker. Ich bin unglücklich. So gestresst. So müde vom Leben. Ich habe mit niemanden zu tun und trotzdem, ziehen mich Menschen runter. Letztens hat mich meine Exfreundin angerufen, total verheult, um mir zu sagen, dass sie eine unheilbare Krankheit hat. Ich habe geweint, als ich das gehört habe. Aber ich glaube ihr nicht. Wir sind im Streit auseinander gegangen. Ich habe zwar viel Stress wegen Job Karriere und irgendwelche Typen, die den Kontakt zu mir suchen. Aber seit sie weg ist, hey ich bin ein neuer Mensch. Mir geht's Klasse! Genau, mir geht's klasse. Das ist mir jetzt wieder eingefallen, warum negativ denken, wenn das Leben doch so schön und positiv ist. Morgen ist ein neuer Tag, ich stell meinen Wecker und ein neuer schöner Tag, wird beginnen. Ich habe viel vor, wenn ich in den Zug einsteige, werde ich viel Zeit zum nachdenken haben. Genauer gesagt, eine halbe Stunde und wenn ich aussteige, lasse ich all meinen Sorgen im Zug zurück. Gute Nacht.
Züleyha*